Was ist User Story Mapping?

Erschienen am 4.6.2020 | 6 Minuten zu lesen

Autoren: Jana Katherina Piller, Rouven Lotze, Joachim Kleine Breil, David Ploch und Victoria Lorenz

User Story Mapping: Die Definition

User Story Mapping ist eine Technik, die dazu genutzt wird, Anforderungen zu visualisieren. Funktionalitäten eines Produkts werden mit User Stories aus der Sicht des Nutzers beschrieben, um ein gemeinsames Verständnis zu erzielen. User Story Mapping ermöglicht damit allen Stakeholdern auf einen Blick, Anforderungen an ein Produkt und dessen Funktionalitäten zu erfassen.

Doch wozu dient eigentlich eine User Story Map und wo findet User Story Mapping Anwendung?

 

Die Vorteile von User Story Mapping

Das User Story Mapping ist seit einigen Jahren im Rahmen agiler Methodik etabliert. Es lohnt sich, nochmal genauer hinzuschauen, denn diese Technik findet mittlerweile auch breitere Anerkennung im Projekt-, Prozess- und Anforderungsmanagement.

User Story Mapping bietet eine Darstellungsweise, die von jedem Stakeholder – auch ohne Methoden- oder Detailwissen – verstanden werden kann. Sie übersetzt die Produktvision und die Features eines Produkts in Aktivitäten und Teilschritte, welche vom Nutzer durchgeführt werden. User Story Mapping wird üblicherweise zur Ermittlung und Dokumentation von Anforderungen an ein Produkt in Workshops mit Teams von ca. 4 bis 8 Personen angewandt.

Eine User Story Map bietet eine visuell ansprechende und umfassende Übersicht zu komplexen Anforderungen und Zusammenhängen in einem einfach erfassbaren Format. Über den Dialog innerhalb eines Teams werden Klarheit und ein Konsens über die Anforderungen erzeugt. Kurzum: User Story Mapping dient der strukturierten Darstellung und der Überprüfung von Anforderungen für ein gemeinsames Verständnis und Zielbild.

Doch wie gelingt das?

 

So funktioniert’s: Die Erstellung einer User Story Map

Zunächst gilt es, ein gemeinsames Verständnis darüber zu schaffen, was die Produktvision und Ziele sind. Es sollten Fragen geklärt werden wie: „welchen Nutzen bringt unser Produkt für den Kunden?“ oder „welches Problem wird durch unser Produkt gelöst?“

User Story Beispiel:

 

Die Anwendung eines Produkts durch den Nutzer wird in Aktivitäten beschrieben. Den Aktivitäten werden untergeordnete Teilschritte zugeordnet, die der Nutzer des Produkts durchführt. Die Aktivitäten und Teilschritte werden aus Nutzersicht definiert. Sie werden auf Klebezettel geschrieben und in chronologischer Reihenfolge horizontal angeordnet.

User Story Mapping: Der Aufbau

Auf der obersten Ebene werden die Aktivitäten angeordnet und darunter liegend die einzelnen Teilschritte, welche durch die Aktivitäten zusammengefasst werden.

Man spricht bei den Aktivitäten und Teilschritten im User Story Mapping auch vom „Backbone“, dem Grundgerüst einer User Story Map.

Unterhalb der Teilschritte werden die dazugehörigen User Stories auf Klebezetteln angebracht und gemäß ihrer Priorität vertikal angeordnet. Hierbei ist zu beachten, dass die User Stories in einem agilen Framework entsprechend dem Produkt-Backlog priorisiert werden. Sofern ein solcher Backlog schon besteht, können dazu die bereits bestehenden User Stories genutzt werden.

Was ist eine User Story und wie werden User Stories formuliert?

Eine User Story ist ein wichtiges Werkzeug in der agilen Arbeitswelt. Eine User Story beschreibt die Rolle, die Funktionalität und den Nutzen einer Anforderung. Darüber hinaus werden die Akzeptanzkriterien für die Story genau definiert und in einfacher Sprache formuliert, um ein allgemeines Verständnis im Team zu erzeugen. In der Praxis werden User Stories folgendermaßen formuliert: “Als (Rolle) möchte ich (Funktionalität), um (Nutzen der User Story)”.

Die gemeinsame Bearbeitung der User Stories kann:

  • den Ideenaustausch zwischen den Teammitgliedern anregen
  • Inkonsistenzen, Redundanzen und Lücken identifizieren und beheben, indem User Stories zusammengefasst, aufgeteilt, entfernt oder weitere hinzugefügt werden

Danach wird eine Linie eingezogen. Alle User Stories, die zunächst nicht realisiert werden sollen, werden unterhalb dieser Linie angeordnet. Falls gewünscht ist, die User Stories auf mehrere Releases oder Inkremente aufzuteilen, können für jedes weitere Release oder Inkrement weitere Linien eingezogen und die User Stories je nach Zuordnung entsprechend oberhalb oder unterhalb dieser Linien angeordnet werden.

Auf diese Weise wird eine priorisierte Chronologie für die Realisierung der User Stories im Rahmen von Releases oder Inkrementen geschaffen. Durch eine strukturierte Übersicht aller Aufgaben wird die Aufgabenverteilung im Team erleichtert.

Wie immer gilt: arbeiten Teams verteilt und können einen Workshop nicht gemeinsam vor Ort durchführen, besteht die Möglichkeit, diesen remote durchzuführen. Durch die Verwendung von digitalen Konferenz-Tools (z.B. Skype for Business, Cisco WebEx, MS Teams) und Kollaborations-Tools (z.B. Miro, Asana, Atlassian Jira) lässt sich die Zusammenarbeit ortsunabhängig gestalten. Hierbei werden üblicherweise Meeting-Regeln vereinbart, um den Workshop möglichst effizient zu gestalten.

Digitalisierung der User Story Map

Nach dem abgeschlossenen User Story Mapping Workshop sollte die User Story Map in einem ersten Schritt digitalisiert werden, damit sie jedem Stakeholder standortunabhängig zugängig gemacht werden kann: sei es über ein direktes Abfotografieren der User Story Map oder ein Dokumentieren in Visualisierungs-Tools (bspw. MS Visio).

In einem zweiten Schritt wird empfohlen die User Story Map in einem entsprechenden Dokumentations-Tool mit Versionsverwaltung (z.B. MS SharePoint, Atlassian Confluence) für alle Stakeholder zur Verfügung zu stellen. Zumindest ist es sinnvoll, Stakeholder automatisiert über Änderungen per E-Mail zu informieren.

Neben einer transparenten Dokumentation ist auch eine regelmäßige Aktualisierung der User Story Map von großer Bedeutung.

Kontextunabhängig ist User Story Mapping nur dann effektiv, wenn eine User Story Map nicht nur einmalig erstellt und dokumentiert wird, sondern bei Änderungen aktualisiert und kontinuierlich gepflegt wird. Der Vorteil einer gepflegten User Story Map liegt darin, dass sich alle Stakeholder stets bedarfsgerecht informieren können.

Darüberhinausgehend werden interessierten Stakeholdern sowohl der aktuelle Stand als auch das weitere Vorgehen transparent dargestellt und einfach zugänglich gemacht.

 

User Story Mapping: Unser Fazit

User Story Mapping kann, unabhängig von der gewählten Methode, in agilen wie auch klassischen Vorgehensmodellen wertschöpfend eingesetzt werden. Es lässt sich beispielsweise die mittel- bis langfristige Planung im Rahmen agiler Strukturen durchführen, im Projektmanagement der Projektstatus aktuell und transparent visualisieren, im Prozessmanagement die Prozesslandkarte entwickeln und im Anforderungsmanagement zwischen verschiedenen Organisationseinheiten in einer gemeinsamen Sprache formulieren.

Wie setzt die Seven Principles Solutions & COnsulting GmbH diese Methodik in Mehrwert für ihre Kunden um?

In unserem Portfolio vereinen unsere Teams für Agile Transformation und Business Process Transformation langjährige Erfahrung mit dem Arbeiten in agilen Kontexten und in den Bereichen Projekt-, Prozess- und Anforderungsmanagement. Wir unterstützen unsere Kunden durch die Anwendung von Techniken wie dem User Story Mapping dabei, die Unternehmensvision und die strategischen Ziele mit der operativen Ebene zu vereinen.

 

Fotos:
Header: ©fizkes – stock.adobe.com
User Story Mapping Beispiel: ©SEVEN PRINCIPLES AG

Quellenangaben:
http://www.barryovereem.com/wp-content/uploads/UserStoryMap2.png

 

 

7P Marketing
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