Was ist Design Thinking?

Erschienen am 10.12.2020 | 9 Minuten zu lesen

Autoren: Jana Katherina Piller, Rouven Lotze, Anouk Escher und Josephine Zielbauer

Design Thinking: Definition & Herkunft

Design Thinking dient der Erarbeitung von Lösungen und Ideen für komplexe Probleme und Fragestellungen. Der Design Thinking-Prozess besteht aus 6 Schritten: die ersten drei Schritte konzentrieren sich auf die Problemstellung, die weiteren Schritte auf die Lösungsfindung.

Das Design Thinking hat seinen Ursprung in der Architektur und dem Design. Der Fokus wird auf den Anwender eines Produkts sowie dessen Bedürfnisse gelegt. Daher wird es auch oft zu den agilen Methoden gezählt. Dabei ist Design Thinking nicht nur eine Methode, sondern beschreibt darüber hinaus auch eine eigene Denkhaltung sowie Prinzipien und einen Prozess mitsamt entsprechender Tools.

Oft wird Design Thinking als neues Vorgehen wahrgenommen. Wissenschaftler setzten sich allerdings schon in den 90er-Jahren mit einer solchen anwenderorientierten Vorgehensweise im Bereich Innovationsmanagement auseinander. Der Begriff wird auf den Gründer der Designagentur IDEO, David Kelley, zurückgeführt.

David Kelley ist einer der Mitbegründer der d-school der Stanford University, an der Design Thinking praxisorientiert unterrichtet wird. Auch Hasso Plattner, einer der SAP-Mitgründer, ist ein entschiedener Befürworter des Design Thinking und engagiert sich sowohl im Rahmen der d-school der Stanford University als auch des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) für diese Vorgehensweise.

Was sind die Vorteile von Design Thinking und wie wird es angewendet?

 

Die Vorteile von Design Thinking

Design Thinking ist ein innovativer Ansatz und eine Denkhaltung, die in unterschiedlichsten Themenfeldern eingesetzt werden kann. Durch den systematischen und zugleich stark iterativen Prozess werden nachvollziehbare Fortschritte und sichtbare Ergebnisse erzielt. Eine positive Fehlerkultur („fail fast“) und die direkte Kommunikation mit Endnutzern und Kunden geben Klarheit darüber, was diese tatsächlich benötigen und reduzieren somit Kosten.

Durch die klare Anwender- und Kundenorientierung ist ein unmittelbarer Bezug zum heutzutage sehr dynamischen Markt gegeben. Dies erhöht die vom Endnutzer und Kunden wahrgenommene Qualität des Produkts. So können die Wettbewerbsfähigkeit und der Erfolg eines Produkts am Markt gesteigert werden.

Darüber hinaus treffen die Teammitglieder Entscheidungen gemeinsam und werden aktiv in den Prozess miteinbezogen. Hierdurch werden sowohl die persönliche Identifikation mit dem Produkt als auch die Weiterentwicklung der Teammitglieder gefördert.

Der Design Thinking-Prozess: In 6 Schritten zur Lösung komplexer Probleme

Der Prozess besteht aus 6 Schritten, die sich in Problem- und Lösungsraum aufteilen: erst soll das zu lösende Problem umfassend verstanden und erst dann eine hierzu passende, individuelle Lösung mithilfe kreativer Ideen gefunden werden. Die ersten drei Schritte befassen sich deshalb ausschließlich mit der Problemstellung und erst die letzten drei Schritte mit der Lösungsfindung.

Design Thinking ist dabei ein iterativer Prozess: die Reihenfolge muss nicht starr eingehalten werden, sondern es soll Raum für einen bedarfsorientierten Wechsel zwischen den Schritten geben.

Der Design Thinking-Prozess:

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  1. Verstehen
    Im ersten Schritt sollte sich das Design Thinking-Team mit dem zu lösenden Problem vertraut machen, um ein umfassendes gemeinsames Problemverständnis zu erlangen- die Grundvoraussetzung im Design Thinking. Hierzu wird zunächst die Problemstellung als Frage formuliert. Mithilfe verschiedener Techniken und Tools kann das Problem dann nach Bedarf breiter gefasst oder eingegrenzt werden. Die Ziele dieses Schrittes sind, den Inhalt und Kontext der Problemstellung zu verstehen und die Stakeholder zu identifizieren. Die Erkenntnisse dieses Schrittes helfen, die Problemstellung im späteren Verlauf iterativ zu schärfen und ein gemeinsames Verständnis des zu lösenden Problems zu erreichen.
  2. Beobachten
    In diesem Schritt lernt das Team möglichst viel über den Endnutzer und seine Bedürfnisse: Das Design Thinking-Team kann beispielsweise durch Feldbeobachtungen dessen Perspektive einnehmen und durch explorative Interviews seine Bedürfnisse gezielter erfragen. So kann das Verständnis seiner Bedürfnisse weiter konkretisiert und möglichst ganzheitlich erfasst und dokumentiert werden.
  3. Persona
    Am Ende der Problemanalyse werden die Ergebnisse zusammengefasst, kategorisiert, diskutiert und ausgewertet. Die Sichtweise des Teams auf das Problem ist als Persona formuliert und dient im weiteren Prozess als Ausgangspunkt der Lösungsfindung. Hier können Methoden wie das Storytelling und verschiedene Fragetechniken unterstützend eingesetzt werden.
  4. Ideen finden
    Ab diesem Schritt befindet sich das Team im Lösungsraum. Hier werden verschiedene Varianten des Brainstormings eingesetzt, um möglichst viele Ideen zu generieren und diese dann zu sortieren, kombinieren und kategorisieren. Im Anschluss werden die Ideen bewertet und das Team stimmt gemeinsam ab. Hierzu werden z.B. Methoden wie Entscheidungsmatrizen oder das Dot-Voting eingesetzt. Dieser Schritt wird auch als einer der anspruchsvollsten im Design Thinking-Prozess erachtet, da hier gerade zu Beginn auf Annahmen basierend Entscheidungen getroffen werden.
  5. Prototyp
    Die gewählten Ideen werden durch simple Prototypen anfassbar und erlebbar. Um diese schnell und kostengünstig zu erschaffen, werden einfache Materialien verwendet, anhand derer Funktionen getestet und eine Nutzererfahrung ermöglicht werden kann. Der Prototypen-Schritt ist eng verbunden mit dem anschließenden Test-Schritt, da das Feedback aus dem Test zur Verbesserung des Prototyps genutzt wird. Gerade die letzten beiden Schritte im Design Thinking-Prozess bauen auf der positiven Fehlerkultur des Vorgehensmodells auf.
  6. Testen
    Das Testen eines Prototyps wird zusammen mit dem Endnutzer durchgeführt. Dies dient nicht nur dem Erhalt von Feedback, sondern auch dem Überprüfen der Problemstellung. Es können je nach Bedarf unterschiedliche Feedback-Techniken und Testverfahren eingesetzt werden, die dabei unterstützen, wertvolle Informationen zu liefern, um den Prototypen zu verbessern.

 

Die Design Thinking-Prinzipien

Design Thinking beruht auf vier ineinandergreifenden Prinzipien, die die folgenden Fragen beantworten: „Was wird mit diesem Vorgehen betrachtet?“, „Wer ist daran beteiligt?“, „Wie wird vorgegangen?“ und „Wo (in welcher Art Umfeld) wird Design Thinking durchgeführt?“:

 

  1. Der Mensch als Ausgangspunkt (das „Was?“)
    Der Mensch ist im Design Thinking Inspirationsquelle und wird deshalb in den Fokus gerückt: an erster Stelle stehen die zu lösenden Probleme und Bedürfnisse der Stakeholder. Erst daran anschließend werden technische Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit betrachtet.
  2. Multidisziplinäre Teams (das „Wer?“)
    Im Design Thinking arbeiten divers besetzte, multidisziplinäre Teams zusammen. In der Literatur finden sich unterschiedliche Aussagen zur optimalen Teamgröße- wir empfehlen ein Team von 4 – 7 Personen. Unterschiedliche fachliche Disziplinen sollten hierbei zu gleichen Teilen im Team verteilt sein. Darüber hinaus sollte jedes der Teammitglieder (der sogenannten „Design Thinker“) über Breiten- & Expertenwissen („T-shaped Professional“) und idealerweise sogar über Expertenwissen in mehreren Disziplinen („π-/pi-shaped Professional“) verfügen. Des Weiteren ist die Haltung des Design Thinkers die der Empathie und Experimentierfreude, sowie des integrativen Denkens, der Kooperationsfähigkeit und des Optimismus. Außerdem steht die vereinte kreative Leistungsfähigkeit des Teams im Vordergrund.
  3. Der iterative Prozess (das „Wie?“)
    Der Design Thinking Prozess ist ein iteratives Vorgehen, bei dem das Team immer wieder zwischen einzelnen Schritten wechseln kann. Der Prozess wechselt zwischen divergentem und konvergentem Denken: einer uneingeschränkten Entwicklung neuer Ideen und Fokussierung auf relevante Ergebnisse. Im Prozess gilt es, zu experimentieren und Ideen zu fördern, indem Kritik erst einmal zurückgestellt wird und Ideen weiterverfolgt und erweitert werden.
  4. Kreatives Umfeld (das „Wo?“)
    Das Design Thinking-Team sollte ein Umfeld gestellt bekommen, das auf eine Art und Weise gestaltet ist, dass es Ideen und einen kreativen Arbeitsprozess mit direktem Austausch untereinander ermöglicht und fördert. Es sollten daher Materialien wie Whiteboards, Stehtische, Metaplanwände, Flipcharts, Stifte oder Post-it-Zettel sowie Materialien zur Erstellung von Prototypen vorhanden sein.

 

Auch remote & digital im Team erfolgreich

Sofern Teams verteilt statt gemeinsam vor Ort zusammenarbeiten, kann auch remote ein Umfeld geschaffen werden, welches Kreativität ermöglicht und fördert. Durch die Verwendung digitaler Konferenz- (z.B. Skype for Business, Cisco WebEx, MS Teams) und Kollaborations-Tools (z.B. OneNote, Mural, Miro) lässt sich die Zusammenarbeit ortsunabhängig gestalten. Mehr Informationen über das Thema remote Arbeiten finden Sie hier: Remote und agil arbeiten.

Im Verlauf des Design Thinking-Prozesses sollten die Ergebnisse digital dokumentiert werden, sodass sie jedem Stakeholder standortunabhängig zur Verfügung stehen. Zur Ablage eignet sich hierfür ein zentral verfügbarer Speicherort, vorzugsweise mit Versionsverwaltung (z.B. MS SharePoint, Atlassian Confluence).

 

Design Thinking in der Praxis – unser Fazit

Design Thinking kann in agilen wie auch klassischen Kontexten wertschöpfend eingesetzt werden. Es eignet sich zur Lösungsentwicklung im Anforderungsmanagement sowie zur Prozess-Neugestaltung und -Optimierung im IT Service- und Prozessmanagement. Es ist daher besonders im Rahmen von Migrationsprojekten eine effektive, anwenderorientierte Herangehensweise, die die Ideen und Bedürfnisse aller Stakeholder mit einbezieht und so den Weg zu bestmöglichen Lösungen ebnet.

Wie setzen wir Design Thinking in Mehrwert für unsere Kunden um?

In unserem Portfolio vereinen unsere Teams für Digitale Transformation langjährige Erfahrung in den Bereichen Anforderungs-, IT Service-, Prozess- und Projektmanagement in klassischen wie auch agilen Kontexten. Die Design Thinking-Coaches unseres Trainings-Teams unterstützen Sie gerne dabei, Design Thinking in Ihrem Unternehmen zu implementieren, sowohl vor Ort als auch remote gewinnbringend einzusetzen und langfristig zu verankern, indem sie:

  • Im Rahmen einer Auftragsklärung individuelle Fragestellungen der Organisation identifizieren und im Design Thinking-Prozess abbilden
  • Die Organisation des Design Thinking-Umfelds verantworten
  • Den Design Thinking-Prozess moderieren
  • Durch den Einsatz von Methoden- und Tool-Kenntnissen unterstützen
  • Meetings mit Endnutzern und Kunden organisieren
  • Verbesserungspotenziale identifizieren
  • Design Thinking in den Unternehmenskontext einbetten

 

So kann auch Ihr Unternehmen von den Vorteilen des Design Thinking profitieren und kreative Ideen und anwenderorientierte Lösungen für Ihre Probleme erarbeiten!

 


 

Quellen:

Lewrick, M., Link, P. & Leifer, L. (2018). The Design Thinking Playbook. München: Verlag Vahlen GmbH.
Lewrick, M., Link, P. & Leifer, L. (2020). The Design Thinking Toolbox. München: Verlag Vahlen GmbH.
Reinold, D. (2017). Design Thinking – Grundlagen. Abgerufen am 18.11.2020 von https://www.linkedin.com/learning/design-thinking-grundlagen
Schallmo, D.R.A. & Lang, K. (2020). Design Thinking erfolgreich anwenden. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH.
Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Hrsg.) (2020). Design Thinking. Abgerufen am 26.11.2020 von https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/design-thinking-54120

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